Bauphysik – ein bisschen Verständnis muss immer sein

Dicke Luft??

Bevor nun beschrieben wird, wie der rich­tige Wasserdampfgehalt der Luft durch Lüften erreicht werden kann, ist zunächst zu klären, was sich hinter den Begriffen “relative” und “abso­lute” Luftfeuchtigkeit versteckt.

Relative, absolute … verwirrende Feuchtigkeit

Angesichts der wachsenden Zahl von Feuchtschäden und häufigen Klagen über unbehagli­ches Raumklima ist es wichtig geworden, sich ein Grundverständnis des Zusammenhangs von Luftfeuchtigkeit und (Raum-) Temperatur zu verschaffen.
Den wichtigsten, zunächst paradox klingenden “Merksatz” dazu wollen wir gleich vorwegschicken:
Im Winter ist die Luft draußen stets trockener als in beheizten Wohnräumen.

„prima Klima“

Die Möglichkeit zur Wasserdampfaufnahme in der Luft ist begrenzt. Jeder Kubikmeter Luft kann nur eine bestimmte Menge Wasser als Dampf aufnehmen. Alles, was darüber hinausgeht, fällt wieder als Wasser (z. B. Regen, Nebel, Kon­denswasser, Eis, Schnee) aus.
Die absoluten Dampfmengen, bei denen die Sät­tigung der Luft erreicht wird, hängen allerdings von der Lufttemperatur ab. Warme Luft kann wesentlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Das kennt jeder, denn Nasses lässt sich mit Wärme trocknen.

Aber mit kalter Winterluft Räume entfeuchten?

Um dies zu verstehen, muss zunächst die Verwirrung zwischen relativer und absoluter Luftfeuchtigkeit geklärt werden:

Relative Luftfeuchte

Die so genannte “relative Luftfeuchtigkeit” ist immer die bei der jeweiligen Temperatur mögliche maximale Luftfeuchte. So kann z. B. Luft von 20° C bis zu 17 g Wasserdampf pro Kubikmeter aufnehmen. Man spricht dann von einem Sättigungswert, der mit 100 % relative Feuchte erreicht ist. Luft von 15° C kann nur noch knapp 13g Wasserdampf aufnehmen, dann sind auch hier 100 % relative Feuchte erreicht. Alles was an Feuchte darüber hinaus kommt, wird zu Wasser oder Kondensat, wie der Fachmann sagt. Es kondensiert.

Wasserdampfgehalt in der Luft bei verschiedenen Temperaturen

Wer es gern mathematisch haben möchte, hier ein Beispiel:

Außen zeigt das Thermometer -5° C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 % an. Die Luft enthält in dem Fall 3,3 g/m³ x 80 % = 2,6 g/m³ Wasserdampf. Innen herrschen +20° C bei 50 % relativer Luftfeuchte. Dies entspricht 17,3 g/m³ x 50 % = 8,6 g/m³ Wasserdampf.
Der Unterschied zwischen der in der Innen- und Außenluft vorhandenen Wasserdampfmenge beträgt 8,6 g/m³ – 2,6 g/m³ = 6 g/m³.
Mit jedem m³ Raumluft, die durch die Außenluft ausgetauscht wird, kann bei der Erwärmung dieser Luft von -5 auf +20 °C 6 g Wasser aufgenommen werden. Oder anders herum – die Raumluft wird trockener.

Und genau das ist der Effekt, der durch Lüften erreicht werden soll!

Welche relative Luftfeuchte und welche im Verhältnis dazu stehende Temperatur ist für uns Menschen ideal? Was ist unser Wohlfühlklima?

Das folgende Diagramm gibt hierüber Auskunft.

Zugegeben: das ist nicht ganz leicht zu verstehen. Kein Mensch kommt auf die Idee, mit komplizierten Formeln das Lüften zu berechnen. Braucht man auch nicht. Einfacher lässt sich dieser Vorgang über ein Messgerät verfolgen.

Nimm´s leicht –

die relative Luftfeuchte auf dem Hygrometer

In der Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft
können Sie sich diese Wohnklima-Messgeräte (Hygrometer)
ausleihen und damit kinderleicht die relative Luftfeuchtigkeit
in Ihrer Wohnung überprüfen.